Bücherregal Grimm und Goethe in Karlsbad

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Veränderungen von Verhaltensstandards im Bereich familialer Erziehung und Sozialisation seit 1949

aufgezeigt am Beispiel der Familienzeitschriften "Ratgeber - Frau und Familie" und "Eltern"

Ich habe dieses Buch schon vor mehr als 30 Jahren in Angriff genommen. Ich hatte damals als junger Lehrer noch die Absicht eine akademische Karriere zu machen. Die Ausgangslage dafür war relativ günstig, da ich mich nach meinem Diplomstudiengang noch mit Themen zur Geschichte der Pädagogik beschäftigte und dabei auf Michel Foucault und Norbert Elias stieß.

 Veränderungen von Verhaltensstandards im Bereich familialer Erziehung und Sozialisation seit 1945 - aufgezeigt am Beispiel der Familienzeitschriften "Ratgeber - Frau und Familie" und "Eltern" - Winfried Wolf ePUB 12,99 € In den Warenkorb In anderen Shops kaufen Veränderungen von Verhaltensstandards im Bereich familialer Erziehung und Sozialisation seit 1945Dessen Zivilisationstheorie war für mich der Schlüssel zum Verstehen sozialer Prozesse. Ich fand besonders seine Hinweise zur Herausbildung und Veränderung von Verhaltensstandards durch Erziehung im Kontext gesellschaftlicher Wandlungen interessant. Nach meiner Lektüre von John Locke, dessen Gedanken zur Erziehung mir für das Zeitalter der Aufklärung besonders ertragreich schienen, lag es nahe, das Projekt der Aufklärung in ein Projekt der Zivilisierung aufgehen zu lassen. In Norbert Elias sah ich einen Anreger für weiterführende Studien. Er befasste sich u. a. ganz konkret mit Anstandsbüchern, um langfristige Prozesse der Verhaltensformung und Modellierung von Triebstrukturen darzustellen. In seinem Hauptwerk beschreibt er „Zivilisierung“ als einen langfristigen Wandel der Persönlichkeitsstrukturen, den er auf einen Wandel der Sozialstrukturen zurückführt. Sein Hauptaugenmerk richtete sich auf die Frage, wie sich soziale Kontrolle entwickelt und wie Selbstkontrolle entsteht. Für Elias setzt sich die menschliche Identität aus den kollektiven Wir-Elementen, die auf eine Gruppe verweisen und aus Ich-Elementen, mit denen die Individualität gestärkt wird, zusammen. Das Verhältnis dieser Wir- und Ich-Elemente ist durch die Figurationen bestimmt, in denen wir leben. Für ein Kind ist die wichtigste Figuration die Familie, in ihr werden die Kinder auf die Anforderungen der Gesellschaft vorbereitet. In der Familie bilden sich Persönlichkeit, Charaktereigenschaften und individuelle Weltanschauungen. Ich wollte daher nicht Anstandsbücher, sondern die Ratgeberrubriken einer Familienzeitschrift über einen längeren Zeitraum untersuchen, um herauszubekommen, wie sich im beobachteten Zeitraum die Empfehlungen zur „richtigen“ Erziehung ändern. Mit Blick auf Norbert Elias wäre zu fragen, wie eine Regulierung des Verhaltens durch Erziehung auch heute noch gelingen kann und ob auch in unserer Zeit noch durch Erziehung die Ausbildung einer Selbstzwang-Apparatur angestrebt werden soll und kann.

Aus beruflichen und privaten Gründen habe ich vor 30 Jahren meine „Doktorarbeit“ zur Seite legen müssen. Im Ruhestand verändern sich nun erneut die Perspektiven. Ich merke:

Das Interesse an Elias und seinen zivilisationstheoretischen Überlegungen und Untersuchungen hat bis heute angehalten und so habe ich denn als Pensionist diese liegen gebliebene Arbeit wieder aufgenommen, um sie zumindest für mich zu einem vorläufigen Abschluss zu führen. Die Veränderung von Standards menschlichen Verhaltens in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Prozessen zeigt, wie wenig es „natürlich“ und „Natur“ ist, was wir tun und was wir lassen – das Zeitalter der Aufklärung wirkt fort und deutlich zeigt sich auch: Alles muss sich ändern, damit es so bleibt, wie es ist.


Buchdetails

ISBN: 9783737591614
Format: DIN A5 hoch
Seiten: 260
Erscheinungsdatum: 24.02.2016
Schlagworte: Goethe, Melchior Grimm, Teplitz, Czernin, Fürst de Ligne, Karlsbad, Katharina die Große, Französische Revolution, Gotha, Weimar

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